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Frühling in der Steiermark: Wenn vermeintliche Hilfe zur Gefahr wird

07.04.2026 / News / , ,

Unsere Natur ist kein Abenteuerspielplatz, sondern Lebensraum. Wer sie betritt, trägt Verantwortung – für die Kleinsten, die oft unsichtbar im Gras oder am Waldboden auf ihr Überleben kämpfen. Die wichtigste Botschaft dieser Tage ist daher so einfach wie entscheidend: Beobachten statt eingreifen. Wildtiere wissen meist besser, was zu tun ist. Nur offensichtlich verletzte Tiere brauchen menschliche Hilfe.

Mit den ersten warmen Tagen beginnt draußen ein stilles, oft verborgenes Drama – und zugleich ein kleines Wunder. Die Paarungszeit des Feldhasen, auch „Rammelzeit“ genannt, setzt bereits Ende Jänner ein. In dieser Zeit liefern sich die Männchen spektakuläre „Boxkämpfe“, um die Gunst der Weibchen. Doch während dieses Kräftemessen beeindruckt, ist das Überleben des Nachwuchses alles andere als gesichert.

Nach rund 42 Tagen bringt die Häsin ihre Jungen zur Welt – bis zu viermal im Jahr. Die ersten, die sogenannten „Märzhasen“, haben es besonders schwer: Kälte und Nässe können bis zu 95 Prozent eines Wurfes dahinraffen. Die Jungtiere kommen zwar bereits behaart und sehend zur Welt, doch ihre Überlebensstrategie ist riskant: Sie werden einzeln abgelegt, reglos in ihrer „Sasse“, nahezu geruchlos – perfekt getarnt und doch schutzlos.

Was viele nicht wissen: Die Mutter ist meist nicht in der Nähe. Nur ein- bis zweimal täglich kehrt sie zurück, um ihre Jungen mit extrem fettreicher Milch zu säugen. Dieses Verhalten dient dem Schutz – denn jede unnötige Bewegung könnte Fuchs, Marder oder auch Krähen anlocken. Beliebte Hundespazierwege bergen zweierlei Gefahr für die schutzlosen Kleinen: freilaufende Hunde und die Angst der Mutter, die sich nicht zu ihren Jungen zurück traut, um sie mit der dringend notwendigen Milch zu säugen.

Gerade in Siedlungsnähe kommt es zusätzlich immer wieder zu folgenschweren Missverständnissen. Spaziergänger entdecken scheinbar verlassene Junghasen und wollen helfen. Doch gut gemeint ist hier oft das Gegenteil von gut gemacht: Hasenbabys sind auf die Muttermilch angewiesen und vertragen keine Ersatznahrung. Die Aufzucht durch den Menschen endet fast immer tödlich.

Auch bei Vögeln zeigt sich derzeit ein ähnliches Bild. Junge Waldkäuze oder kleine Singvögel sitzen scheinbar hilflos am Boden – doch oft handelt es sich um sogenannte „Ästlinge“. Diese Jungvögel werden weiterhin von ihren Eltern versorgt, auch wenn sie noch unbeholfen wirken. Wer hier eingreift, stört mehr, als er hilft.

Bezirksjägermeister Wolfgang Neubauer meint:
„Neben solchen Eingriffen ist der Verlust von Lebensraum die größte Bedrohung für unser Niederwild. Monotone Kulturlandschaften und fehlende extensiv genutzte Flächen und Hecken bieten kaum Rückzugsorte in kritischen Situationen. Hier sind alle, wir Jäger, die Landwirtschaft, Gemeinden und Gartenbesitzer aufgerufen, die Landschaft wildtierfreundlich zu gestalten“

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